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Unangebrachte Fragen in Bewerbungsgesprächen

Unangebrachte Fragen in Bewerbungsgesprächen

Ich habe vor einiger Zeit Pflegekräfte auf Facebook gefragt, welche Erfahrungen sie während Bewerbungsgesprächen machen mussten. Mir ist bewusst, dass dieses Medium nicht als wissenschaftlich und valide angesehen werden kann. Dennoch: In Gesprächen teilen Menschen gerne ihre persönlichen Erfahrungen.

In diesem Fall über Bewerbungsgespräche bzw. Fragen, der – sagen wir – besonderen Art. Natürlich würde und werde ich in Zukunft gerne positive Beispiele nennen. Dieser Artikel beschreibt jedoch die (mehr) als unangebrachten Fragen bei Bewerbungsgesprächen.

Mir ist teilweise unverständlich welche Fragen den BewerberInnen heutzutage noch gestellt werden. Sie sind erschreckend und zum Teil auch skurril. Vor allem sind sie aber nicht nötig! Sie erzielen keinen Informationsgewinn. Sie stiften meist nur Verwirrung und Verärgerung der KandidatInnen. Und das mit fatalen Folgen. 

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Ein Bewerbungsgespräch ist keine Einbahnstraße!

 

Fremdschämen im Anflug

 

Auch für BewerberInnen im Pflegeberuf ist solch ein Setting eine Möglichkeit den (potentiell) zukünftigen Arbeitgeber kennen zu lernen. 

 

Persönliche oder tendenziöse Fragen können dazu führen, dass sich BewerberInnen eine andere Stelle suchen. Das kann sich kaum ein Unternehmen innerhalb der Pflegerekrutierung leisten. Tatsächlich kann es ein Unternehmen bis zu € 70.000 kosten eine Pflegekraft zu ersetzen. Das haben Li und Jones 2013 in einer Studie veröffentlicht.  

 

Folgend ein paar Beispiele von Fragen, die in 1980er Jahren schon unangebracht waren.

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Mehr als unangebrachte Fragen während Bewerbungsgesprächen

Kategorie “Unorthodox” 

 

Was ich mit einem Lottogewinn anstellen würde.

 

Ich bin mir nicht ganz sicher was hier seitens des Arbeitgebers erwartet wird. Die Frage ist zumindest überraschend. Wird hier nach Kreativität gefragt? Oder nach der Arbeitsmotivation? Welchen Mehrwert erhofft man sich hier? 

 

“Sie fahren mit dem Auto und sehen am rechten Straßenrand ein Einhorn, was machen Sie?

 

Was soll die Frage? Natürlich würde ich mir dem Einhorn über den Regenbogen Richtung Elfenland galoppieren. Sie? Was hat das mit dem Pflegeberuf und meinen Kompetenzen zu tun? Finden sich solche Sprüche in einem kontrovers diskutierten Buch?

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Kategorie “Religion”

 

Ich hab von einem geistlichen Haus eine Absage erhalten weil meine Eltern nicht verheiratet waren, werd ich auch nie vergessen.

 

Ist das ein Grund KandidatInnen nicht einzustellen? Wurde dies wirklich als offizieller Grund angegeben? Qualifizierte Pflegekräfte wachsen nun wirklich nicht auf Bäumen. Solche Absagen sind ein Armutszeugnis für Unternehmen. 

 

Kategorie “Schwangerschaft und Familienplanung”

 

Gleich vorweg. Es ist eine Frechheit, dass ich dieses Thema hier erwähnen muss. Offensichtlich werden Frauen sehr oft nach ihrer Familienplanung und einer möglichen Schwangerschaft gefragt. Was soll das? Liebe Arbeitgeber, ihr wisst ganz genau, dass dies laut Gleichbehandlungsgesetz nicht erlaubt ist.

 

Auszug aus dem Gleichbehandlungsgesetz

Beispiele gefällig?

 

Eine Klassenkameradin von mir wurde nach der Ausbildung beim Bewerbungsgespräch gefragt ob sie vorhat schwanger zu werden.

 

Ärztliche Bestätigung das ich nicht schwanger bin.

 

Nicht nur danach fragen, sondern sich dies auch noch ärztlich bestätigen lassen zu wollen? Mir fehlen die Worte.

 

Ist Ihre Familienplanung abgeschlossen?

 

Geht es noch ein wenig subtiler?

 

Wenn eine Bewerberin zum Zeitpunkt eines Bewerbungsgesprächs schwanger ist, dann sollte dies jedoch zum Thema gemacht werden. Das ist aber im Interesse der werdenden Mutter. Wenn der Arbeitgeber nichts davon weiß und die Bewerberin auf einer Abteilung eingesetzt wird, die ein Risiko darstellt, dann ist das der Schwangerschaft nicht zuträglich.

 

Kategorie “Sonst geht`s noch?”

 

Das merkwürdigste Vorstellungsgespräch begann so: “Guten Tag,

ich habe leider keine Stelle für Sie die zu Ihrer Bewerbung passt. Allerdings wollte ich eine so junge zielstrebige Frau unbedingt kennenlernen.”

 

Ist das ernst gemeint? Eine Kandidatin einzuladen um sie mal eben “kennenzulernen”? Ich finde es eine Frechheit die Zeit von Menschen so sinnlos zu vergeuden. 

 

Mir wurde mal eine Kopie meines eingereichten Lebenslaufs hingehalten. In Schwarz-Weiß, der Finger der PDL tippte auf das Bild, welches dementsprechend auch in Schwarz-Weiß war, mit den Worten: ‘Sie sehen ganz schön Böse aus. Sowas kann man nicht einstellen.’ Hat sich dann für mich auch gekonnt erledigt.

 

Klar hat es sich erledigt. In der Sekunde. Danke für nichts und einen schönen Tag noch. Was sollen solche diskriminierenden Fragen? Wer möchte bei so einem Arbeitgeber beginnen? 

 

In der Mitte des Gesprächs.

Personalchef: Sagen Sie Mal wo kommen Sie eigentlich her?

Ich: Naja hier aus dem Ort.

Personalchef: Nein wo sind Sie aufgewachsen?

Ich: Ein Ort weiter.

Personalchef: Nein nein wo sind Sie denn geboren?

Ich: Steht ja in der Bewerbung. Paderborn.

Personalchef: Mhhh ok ok . Karanlik ist ja kein deutscher Name . Wo kommen denn Ihre Eltern her?

Ich: ähm meine Mutter aus’m Nachbarort, mein Vater aus der Türkei.

Personalchef: Oh Türkei… Ja ja mhhh. Gut wir melden uns dann bei Ihnen.

War mitten im Gespräch. Also nicht erst am Ende oder so. Hat mich ein bisschen irritiert. Naja ist ne Absage geworden. Wollte da aber auch nicht mehr wirklich hin…

 

Natürlich will niemand da hin. Was sollen die Fragen nach der Herkunft? Wollt ihr einen guten Arbeitnehmer oder nicht? Ist es eigentlich nicht egal wo ein Mensch herkommt, wenn die Referenzen in Ordnung sind? Im Gegenteil, ist es nicht sogar toll Menschen mit verschiedenen Herkünften und Ethnien einzustellen? Die Diversität, die sich viele Unternehmen auf die Fahnen heften, enden schon beim ersten Bewerbungsgespräch. Geboren in Paderborn! Reicht doch als Antwort und steht sicher auf dem Lebenslauf! 

 

Als ich mich für die Ausbildung zur DGKP beworben habe wurde ich an einer Schule gefragt, welche Partei meine Eltern wählen.

 

Wahlgeheimis!

Zusammenfassung

Ich möchte hier wirklich niemanden anprangern. Ich finde es aber schade und erschreckend, dass Pflegepersonal nachwievor solche Fragen gestellt bekommt. Gleichzeitig wird an jeder Ecke händeringend nach Pflegepersonal gesucht. Personen in entscheidenden Positionen können mit solchen Fragen dem Unternehmen aktiv schaden! Stopp! Und zwar sofort! Niemand macht damit einen Gefallen.


BewerberInnen kann ich nur raten, diese Themen aktiv im Bewerbungsgespräch anzusprechen. Ich verstehe die Sorge vor einer möglichen Nicht-Anstellung. Aber möchte man bei so einem Arbeitgeber als Pflegekraft überhaupt arbeiten? Es wäre naiv zu glauben, dass nur Einzelpersonen solche Einstellungen besitzen.

Ich finde es aber durchaus möglich das Gespräch nach solchen Fragen in der Minute höflich zu beenden. Jedenfalls müssen Unternehmen merken, dass solche Fragen in einem Bewerbungsgespräch unangebracht sind. Sonst ändert sich das nicht!  Weitere, nicht zulässige Fragen, findest du übrigens auf Stepstone.

Was denkst du über das Thema? Wurden dir solche Fragen in einem Bewerbungsgespräch gestellt?

 

Ich freue mich über jedes Kommentar!

Hallo und Servus! Willkommen auf meiner Seite. Ich möchte helfen den Pflegeberuf so zu zeigen wie er ist. Geil! Mit all seinen Vor, - und Nachteilen. Zudem habe ich es mir zur Aufgabe gemacht Pflegepersonen bei ihren Karrieren zu unterstützen. Freut mich das du hier bist!
Thomas Endl

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