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Welche Geschichte erzählen Sie ihren Patient:innen?

Lesezeit: 4 Minuten

Welche Geschichte erzählen Sie ihren Patient:innen?

Lesezeit: 4 Minuten

Eine Freelancerin, die im Cafe sitzt und Texte schreibt

Einen regelrechten Boom erlebte Storytelling in der Marketingbranche durch Steve Jobs. Der 2011 verstorbene CEO von Apple brachte die Prinzipien von Pixar zum Technologieriesen und hauchte ihm neues Leben ein.

Auf die Prinzipen gehe ich später ins Detail ein.  

Die Kunst Geschichten zu erzählen wurde nicht in einem US Büro einer Animationsfirma entwickelt. Wir Menschen erzählen uns Geschichten seit Jahrtausenden. Modernes Storytelling bedient sich schlicht den Elementen einer gut erzählten Geschichte.

Diese Geschichten vermitteln Informationen und berühren Leser:innen auf einer emotionalen Ebene. Das führt dazu, dass wir uns 22x so gut an eine Geschichte erinnern.

Das ist im Zeitalter der Informationen ein entscheidender Vorteil.

 

Was aber hat Storytelling mit dem Gesundheitswesen zu tun?

Sehr viel und mehr als uns bewusst ist.

Storytelling kann in einem Vier-Augen-Gespräch zwischen Mediziner:innen und Patient:innen geschehen. Oder über Social Media Posts. Aber auch über die eigene Webseite. Unabhängig vom Setting, hat Storytelling folgendes gemein:

  • Verbindet und schafft Vertrauen
  • Inspiriert
  • Erklärt komplexe Inhalte auf einfache Weise
  • Führt zu Aktionen
  • Macht eine Geschichte einzigartig
  • Verleitet zum Teilen bzw. zur Wiedererzählung

 

 

Gut gemacht kann Storytelling dabei helfen Patient:innen aufzuklären.

Apropos aufklären: Gute Geschichten wirken sich positiv auf die Compliance (plump: Bereitschaft zur Mitarbeit) von Patient:innen aus. Sie sind bereiter aktiv an ihrer Gesundheit mitzuwirken, wenn sie ein komplexes Thema verstehen.

In österreichischen Krankenhäusern ist Storytelling kaum vorhanden. Dies gilt auch für andere Einrichtungen des Gesundheitswesens. Die Methode ist mir kaum untergekommen. Bitte um Email, falls ich etwas übersehen habe.

Hier wird viel Potential zur Aufklärung von Patient:innen liegen gelassen. Aber auch um Vertrauen zu schaffen. Ein wesentliches Puzzleteil für eine gute Behandlung.

Mangelndes Wissen über Behandlungsmethoden machen Patient:innen Angst. Angst sich falsch zu entscheiden. Das falsche Krankenhaus aufzusuchen. Angst sich für oder gegen eine Operation zu entscheiden.

Storytelling kann hier Abhilfe schaffen.

Beispielsweise könnte ein Krankenhaus mit Spezialisierung auf orthopädische Operationen eine Geschichte erzählen.

Eine Geschichte über Herbert M.

Herbert hatte jahrelange Schmerzen im linken Knie. Nach langem Hin und Her hat er sich entschlossen die von einem Orthopäden empfohlene Operation durchzuführen.

Die Operation ist gut verlaufen. Nach einer Rehabilitation kann er nun mit seiner Frau jeden Tag wandern gehen.

Zugegeben, das Beispiel ist stark umrissen. Als Dienstleister im Gesundheitswesen müsste die Geschichte ins Detail gehen um eine emotionale Bindung herzustellen.

Klar, worauf ich hinaus möchte?

Solch Geschichten sind echt.

Sie geschehen jeden Tag.

Mögliche Patient:innen werden abgeholt.

Sie werden emotional berührt.

Auch sie haben Angst (das verbindet).

Auch sie haben ein Hobby welches sie nicht wie gewünscht ausüben können. Sie wünschen sich ein positives Ende der Geschichte.

Wie Herbert.

Oder wie Boone. Ein Junge, der sich mit 16 Jahren den vierten und fünften Halswirbel brach. Das ist seine Geschichte.

 

Welche Prinzipien können im Storytelling angewendet werden?

Gute Geschichten sind universell. Herbert M. erzählt eine Geschichte. Seine Geschichte. Und wie er sich dabei fühlte. Und dieses Gefühl kann bei Leser:innen ausgelöst werden.

Gutes Storytelling braucht eine klare Struktur und einen Zweck. „Es war einmal…“ Ja, so beginnen unzählige Geschichten. Weil sie funktionieren. Der Zweck einer Geschichte darf nicht vernachlässigt werden. Wieso wird die Geschichte erzählt? Welchem Zweck dient sie? Ein guter Zweck ist ein gutes Fundament für eine tolle Geschichte.

Es gibt einen Charakter (underdog), mit dem wir mitfühlen können. Das ist Herbert. Und der Weg, den er gehen musste um ein beschwerdefreies Leben zu führen. Ein Held des Alltags.

Tiefste Emotionen sind Teil guter Geschichten. In diesem Fall hat Herbert Angst. Angst vor einer Behandlung (Operation). Belohnt wird er aber mit Glückseligkeit (Wandern mit seiner Frau). 

Simpel und fokussiert: So geht Storytelling. Müssen sich Patient:innen fragen was sie gerade lesen, werden sie abspringen. Die Geschichte muss einfach und klar sein.

Beginne mit dem Ende deiner Geschichte. Wie endet die Geschichte für Herbert? Was ist das Ziel? Es ist oftmals hilfreich mit dem Ende zu beginnen um im Mittelteil ein Ziel zu haben.

 

Pixar hat übrigens 22 Regeln für eine gute Geschichte. Ich habe mich von einem Artikel von Medium inspirieren lassen und die dort sechs beschriebenen Prinzipien übernommen.

 

Handlungsempfehlungen für Dienstleister im Gesundheitswesen

  • Finden Sie ehemalige Patient:innen. Fragen Sie ob sie ihre Geschichte erzählen dürfen.
  • Entwickeln sie eine Story nach den erwähnten Prinzipien
  • Probieren Sie unterschiedliche Formate (Text, Bild, Video, etc.)
  • Platzieren Sie die Geschichte prominent auf ihrer Webseite
  • Rufen Sie zu einer Handlung auf („Jetzt anrufen“, „mehr erfahren“, „Beratung vereinbaren“) Mehr dazu in diesem Artikel.
  • Erzählen Sie die Geschichte auch in den sozialen Medien
  • Sorgen Sie dafür, dass die Geschichte teilbar ist (über soziale Medien, Newsletter, etc.)

 

Ich hoffe ich konnte einen kurzen Einblick über die Vorteile von Storytelling im Gesundheitswesen geben. Für Dienstleister (Krankenhäuser, Pflegeheime, Zahnkliniken, Ordinationen, etc.) liegt viel ungenutztes Potential vor. Nicht vorrangig um Patient:innen anzulocken. Viel mehr um eine Verbindung herzustellen. Vertrauen zu schaffen. Der Rest kommt von alleine.

 

 

 

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